Westkykladen · 7 Tage · reguläre Übergabe
Westkykladen zwischen Sounion und Syros
Wenn Übergabe, Tageslicht und Wetter passen, beginnt die Woche mit der kurzen Fahrt zum Kap Sounion. Danach folgen Kythnos, Serifos, Syros und Kea. Die Route verbindet offene Segelpassagen mit Lavrions Bergbaugeschichte, den Thermalquellen von Loutra und der neoklassizistischen Stadt Ermoupoli.
Tag 1 · Samstag
Lavrion → Kap Sounion
Nach der Übergabe am späten Nachmittag kommen die 6,78 Meilen nach Sounion nur bei genügend Tageslicht und passender Nachtprognose infrage; sonst bleibt die Yacht in Lavrion.
Die Übergabe entscheidet über den ersten Hafen
Die gut sieben Meilen bis Kap Sounion sind kurz, doch sie beginnen erst nach Vertrag, technischer Einweisung und abgeschlossener Proviantierung. In Lavrion liegen Charterstege, Fährhafen und Versorgungswege nebeneinander, aber nicht am selben Kai. Kühlware kommt zuletzt an Bord, schwere Taschen verschwinden aus dem Niedergang, und jedes Crewmitglied kennt Gas, Toiletten, Rettungsmittel und die Bedienung der Ankerwinsch.
Die Crew startet den Motor, kontrolliert den Kühlwasseraustritt und bedient Batterien, Funkgerät und Reffsystem einmal selbst. Bestehende Schäden stehen im Protokoll, lose Ausrüstung wird sofort geklärt. Danach wird realistisch geprüft, wie viel Tageslicht für Fahrt, Ankermanöver und eine mögliche Umkehr bleibt. Die kurze Strecke rechtfertigt keinen hastigen Start. Nur wenn diese Zeit ausreicht, wird abgelegt.
Lavrions Silber finanzierte die Flotte des antiken Athen
Die Hügel um Lavrion sind von Stollen, Schächten und Aufbereitungsanlagen geprägt. Silberhaltiges Bleierz wurde hier bereits in der Antike gewonnen. Die Erträge spielten im klassischen Athen eine zentrale Rolle und halfen beim Ausbau jener Flotte, die 480 vor Christus in der Seeschlacht von Salamis gegen die Perser kämpfte. Hafen und Bergbau gehören deshalb seit weit über zweitausend Jahren zu derselben Landschaft.
Im 19. Jahrhundert begann eine neue industrielle Phase. Französische und griechische Gesellschaften nutzten alte Schlacken und neue Gruben; Arbeiterquartiere, Werkhallen und der markante Uhrturm erinnern daran. Das Mineralogische Museum und das nahe antike Theater von Thorikos verdienen einen eigenen Aufenthalt. Am Übergabetag genügt ein kurzer Gang durch die Hafenstadt, um hinter den Fährschildern mehr als einen reinen Charterstützpunkt zu erkennen.
Von Lavrion zum Kap Sounion
Nach dem Ablegen bleibt die Crew zunächst im Arbeitsmodus. Fähren, Fischer und Ausflugsboote nutzen die Hafenzone. Die Crew folgt dem aktuellen Hafenplan, der Seekarte und den Anweisungen vor Ort und hält die Manöverflächen der Berufsschifffahrt frei. Sobald Lavrion achteraus liegt, folgt der Kurs der Südspitze Attikas. Auf den 6,78 Meilen lernt die Crew Ruder, Maschine und die Kommunikation an Bord unter realen Bedingungen kennen. Zusätzliche Übungsmanöver finden nur statt, wenn Verkehr und verbleibendes Tageslicht dafür Raum lassen.
Auf der Annäherung zeichnet sich zuerst die felsige Landzunge ab; darüber werden nach und nach die hellen Säulen des Poseidontempels sichtbar. Wind um das Kap kann kräftiger oder böiger sein als im Hafen. Vor dem Kap werden die Segel rechtzeitig verkleinert oder geborgen. Für die Wahl des Ankerplatzes bleiben Tageslicht und genügend Zeit, um Grund, Tiefe und Schwojraum zu prüfen.
Der Poseidontempel steht über der Seezufahrt nach Athen
Der heutige Marmortempel entstand im 5. Jahrhundert vor Christus auf einer Felskante, die schon lange zuvor ein Heiligtum trug. Von hier ließen sich Schiffe auf dem Weg nach Piräus und zu den Kykladen beobachten. Der Mythos erzählt, König Aigeus habe sich an dieser Küste ins Meer gestürzt, als er am Schiff seines Sohnes Theseus irrtümlich das schwarze Segel sah. Sein Name lebt der Überlieferung nach in der Ägäis weiter.
Vom Wasser aus verbindet sich die klare Geometrie der Säulen mit dem kahlen Kap. Ein Landgang vom Ankerplatz ist nur sinnvoll, wenn Beibootweg, Zugang und Rückkehr bei Tageslicht wirklich passen. Für den ersten Abend genügen ein Essen im Cockpit und der Blick hinauf zum Heiligtum. Ein weiterer Landgang wird nicht mehr in die verbleibende Zeit gedrängt.
Ankerkontrolle gehört zur ersten Nacht
Nach dem Ankermanöver bekommt jedes Ding seinen Platz. Nasse Schuhe bleiben aus den Kabinen, Taschen verschwinden aus dem Salon, und Stirnlampen liegen dort, wo sie nachts gefunden werden. Der kurze Schlag hat bereits gezeigt, wie Kommandos an Bord ankommen. Kleine Missverständnisse lassen sich jetzt bei einem Teller Pasta klären, lange bevor daraus am nächsten Hafen schlechte Gewohnheiten werden.
Später verändern die beleuchteten Schiffe am Horizont den Blick auf das antike Kap. Dieselbe Küste, an der Athener Handel und Kriegsschiffe vorbeizogen, ist weiterhin eine viel genutzte Seestraße. Peilpunkte und Ankeralarm helfen, Veränderungen früh zu erkennen. Wie oft die Lage in der Nacht kontrolliert wird, richtet sich nach Wind, Schwell, Schwojraum und Verkehr; bei einer unsicheren Prognose bleibt die Yacht nicht am Kap.
Kap Sounion bleibt eine Möglichkeit und keine Pflicht
Kommt die Yacht spät frei, ist die Crew müde oder passt der Ankerplatz nicht zur Wetterlage, bleibt sie in Lavrion. Das ist keine verlorene Etappe. Sounion liegt am nächsten Morgen direkt auf dem Weg nach Kythnos und kann vom Wasser aus passiert werden. Ein improvisiertes Ankermanöver nach Einbruch der Dunkelheit würde dagegen aus sieben einfachen Meilen einen unnötig schwierigen Beginn machen.
Für eine Nacht am Kap werden Ankertiefe, Schwojkreis und Winddrehung sorgfältig beurteilt. Die offene Lage kann Schwell aufnehmen; die Wetterprognose für den Morgen zählt ebenso wie die aktuelle Ruhe. Leinen, Frühstück und der Kurs nach Merichas sind am Abend vorbereitet. So kann die Crew am Sonntag ohne weitere Vorbereitungsrunde nach Merichas aufbrechen.
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